Corona-Advent
Die erste Kerze brennt und meine Kinder, zumindest die beiden kleinen, liefen gestern fröhlich strahlend durchs Haus und sangen: „Advent, Advent ein Lichtlein brennt…“ Und natürlich endet das Ganze lachend mit „Weihnachten verpennt“. Manches bleibt eben gleich, da kann sich das Virus auf den Kopf stellen. Und ehrlich gesagt: Das tut verdammt gut! Die Weihnachtsbäckerei von Rolf Zuckowski hat Corona auch nicht verhindern können. Der Erreger kommt in diesen Tagen dann doch an seine Grenzen. Da sei es ihm gegönnt, dass „Corona-Pandemie“ gerade frisch zum Wort des Jahres 2020 gewählt wurde. Surprise, surprise.
Vielleicht zumindest für den ein oder anderen etwas überraschender dagegen die Erkenntnis von Psychologen: wer früher schmückt ist glücklicher. Lichterketten, wenn sie nicht im kalten blau erstrahlen, bringen Wärme in die Seele, die in diesem Jahr bei vielen Menschen stark gelitten hat. Gerade bei Kindern. Das merke ich auch zuhause. Bei uns wurden in diesem Corona-Herbst/Winter die Kerzen wichtiger als sonst. Zumindest bilde ich mir das ein. Weil es die bei der Oma immer gibt hatten wir sie jetzt auch schon vor dem Advent auf dem Tisch stehen und ich musste extra ein Langstiehlfeuerzeug für den Großen besorgen, damit er sie verbrennungsfrei entzünden kann, so wie bei Oma. Aber auch der Kleinsten war es gestern ziemlich wichtig, dass wir die erste Kerze am Adventskranz anzünden. Es war ihr erster Satz, nachdem ich sie morgens aus dem Bett geholt habe und ihre Augen haben mehr gestrahlt als die Kerze später auf dem Kranz.
Kerzen und flackerndes Licht begleiten die Menschheit schon eine sehr lange Zeit. Zumindest in der Kombination aus Docht und Wachs. Ohne sie wären die Höhlenmalereien vor gut zwei Millionen Jahren kaum möglich gewesen. Gesund war das nicht immer. Bis ins Mittelalter hinein waren vor allem arme Leute auf preiswerte Beleuchtung angewiesen und so wurden Tierfette gerne von Rind und Schafen benutzt. Was ranzig stank und stark rußte und im 17. Jahrhundert noch ungesünder wurde als man die Talgkerzen weiß färbte – mit giftigem Arsenik. Die teuren Bienenwachskerzen waren Adel und Kirchen vorbehalten.
Kerzen bringen ja nicht nur Gemütlichkeit. Sie stehen auch für Hoffnung und Trost, und dafür muss man nicht mal ein Anhänger des christlichen Glaubens sein. Licht der Hoffnung in diesem Jahr ist ja vor allem der Impfstoff. Und was das angeht hat sich gerade in den letzten Wochen einiges getan. Gerade in dem Moment, in dem ich das hier niederschreibe, kommt die Eilmeldung, dass der Pharmakonzern Moderna noch an diesem Montag die Zulassung für seinen Impfstoff bei der EU einreichen will. Dem ein oder anderen dürfte das vorkommen, wie das Licht am Ende des Tunnels. Auch wenn es noch bedenklich flackert im Windzug.
Aber wie Konfuzius sagt: Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.
In diesem Sinne…