Weniger statt Meer

Ich bin wieder spät dran heute. Hinter mir liegt eine Woche Urlaub. Den hatte ich schon früh geplant. Herbstferien mit den Kindern. Vielleicht nochmal an die Küste, irgendwo nach Südeuropa. Am Ende aber sind wir keine 150 Kilometer weit gekommen. Heimaturlaub in Hessen. Es fühlte sich einfach nicht nach Urlaub machen an. Befürchtet hatte ich das schon im Sommer. Im Herbst war es dann Gewissheit. Das regelmäßige Schauen auf die steigenden Zahlen hat wieder begonnen. Auch wenn wir mehr wissen, als noch vor knapp acht Monaten, zu Beginn der Pandemie, es fühlt sich wieder bedrohlich an. Bayerns Ministerpräsident Söder hat jetzt für den Landkreis Berchtesgarden den ersten lokalen Lockdown in Deutschland angekündigt. Was auch immer das im Einzelnen dann heißt. Der Blick ins europäische Ausland lässt die Sorgenfalten weiter wachsen. Für ein paar Zentimeter weiter unten habe ich heute neue Kleidung bestellt. Denn das Maskentragen wird uns noch länger begleiten, als es uns lieb ist. Und trotzdem ist es eine einfache und wirkungsvolle Art sich gegen das Virus zu stemmen und andere Menschen zu schützen. Auch die Corona-App kontrolliere ich jetzt wieder regelmäßig. Mehr als 100 Corona-Hotspots gibt es Stand heute in Deutschland, Kreise oder Städte, bei denen in den letzten sieben Tagen 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner gezählt wurden, einige davon liegen deutlich drüber, wie Delmenhorst oder eben Berchtesgarden. Dann können die Gesundheitsbehörden härtere Maßnahmen ergreifen.

Weltweit kamen in den letzten sieben Tagen 2,5 Millionen neue Fälle hinzu. So hoch war die Neuansteckung innerhalb einer Woche noch nie. Natürlich darf man nicht nur auf die Neuinfizierungen schauen. Die gute Nachricht für Deutschland ist: Im Moment haben wir noch mehr als 9400 frei Intensivbetten, um besonders schwerwiegende Fälle behandeln zu können und vor dem Tod zu retten. Noch sind die Todeszahlen vergleichsweise gering in Deutschland – 9.901 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Ganz anders sieht das aus in Frankreich (33.499), Spanien (33.775) oder Italien (36.543) aus.

Auch wenn jetzt viele auf die Kanzlerin schauen und auf die Ministerpräsidenten, oder auf die Kontrollen durch Polizei und Ordnungsämter – am Ende können wir das Virus nur als Gesellschaft erledigen, als starke Gemeinschaft. Wenn die Zahlen nach oben gehen lasst uns die Kontakte auf die wichtigsten minimieren. Weniger ist mehr.

Seien wir solidarisch. Und los.

 

 

 

Maik Meuser