Sturm auf Berlin
Die Bilder vom Samstag; sie gehen mir nicht mehr aus dem Kopf.
Hasserfüllte Rechtsextreme, die wild johlend feiern, dass am Reichstag wieder ihre Fahnen wehen.
Aber das hätte nicht passieren dürfen. Vor allem nicht hier. Ausgerechnet, wo 1933 die Nationalsozialisten per Ermächtigungsgesetz die Demokratie der Weimarer Republik beendet und die Diktatur eingeführt hatten, durch die so viel Elend über Deutschland, Europa und die Welt gebracht wurde. Als Deutscher schäme ich mich dafür, was am Wochenende in Berlin passiert ist. Aber ich bin auch sehr froh darüber, dass die meisten Deutschen anders, nein, richtig denken.
Aber eine erschreckend gut organisierte und bestens vernetzte rechte Szene hat Berlin für sich als Bühne genutzt. Sie hat die legitimen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gekapert. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin nicht der Meinung, dass Corona eine Erfindung ist, dass die Maßnahmen überzogen sind oder dass man dagegen demonstrieren sollte. Aber man darf es und das ist in einer Demokratie unabdingbar. Man muss sich aber halt an die Auflagen halten, die für uns Alle gelten. Was bei den Demonstranten zugegeben etwas paradox wirkt – mit Maske gegen die Maske zu demonstrieren, mit Abstand gegen Abstandsgebote. Aber was ist eigentlich mit dem wichtigen Abstand zu den Feinden unserer Demokratie? Zu Rechtsradikalen, Reichsbürgern oder anderen Extremisten? Sie sind nicht das Volk, sondern, wie die Süddeutsche Zeitung zurecht schreibt nur ein Völkchen oder wie der Kabarettist Serdar Somuncu sagte „völkisch“. Aber mit Sendungsbewusstsein und starker Organisationsstruktur. Das hat uns dieses Wochenende gezeigt und das macht mir Angst. Was macht man mit diesen Menschen, die unsere Demokratie hassen und zerstören wollen? Wie soll man mit ihnen umgehen? Auf jeden Fall sollte man ihnen die Breite nehmen, mit der sie an diesem Wochenende auftreten konnten. Schön verteilt zwischen dem anderen Völkchen, das sich vor allem ein Leben vor Corona zurückwünscht, ohne Masken und Abstand aber zumindest mit unserer funktionierenden Demokratie. Klar, das wünsch ich mir auch. Nicht zuletzt wegen meiner Kinder. Aber apropos Kinder: Trotz funktioniert ja eben auch immer nur bedingt. Und manchmal geht das eben auch nach hinten los. So wie an diesem Wochenende in Berlin. Ich hoffe wir alle haben daraus gelernt.